Größe:
Zierliche Kleinlibelle mit einer Länge von 30 bis 34 mm.
Männchen:
Sehr kurzes, zweifarbiges schwarz-weißes Flügelmal. Kopf, Brust und Hinterleib sind, von oben gesehen, überwiegend schwarz, nur das achte Hinterleibssegment leuchtet blau. Bei uns eigentlich nur mit der etwas kleineren Kleinen Pechlibelle zu verwechseln, bei der jedoch das achte Hinterleibssegment nur im letzten Drittel und dazu das neunte Hinterleibssegment blau gefärbt ist.
Weibchen:
Zweifarbiges schwarzes Flügelmal wie bei den Männchen. Es existieren 5 verschiedenen, genetisch bedingten Farbvariationen, zwei bei unausgefärbten und drei bei geschlechtsreifen Tieren:
Larve/Exuvie:
Länge der größeren Larvenstadien 18 bis 21 mm. Schwanzanhänge am Ende zugespitzt und nicht gebändert. Die Dornenreihe auf der Unterseite ist deutlich kürzer als die auf der Oberseite. Generell sind die Larve/Exuvien der Schlanklibellen schwer voneinander zu unterscheiden, Verwechslungsgefahr besteht bei dieser Art insbesondere mit der Kleinen Pechlibelle, der Gemeinen Becherjungfer, der Hufeisen- und der Fledermaus-Azurjungfer.
Gesamtverbreitung:
Paläarktisch von Europa bis Japan, fehlt nur im nördlichen Skandinavien, auf dem größten Teil der Iberischen Halbinsel und in Sardinien.
Deutschland:
In allen Bundensländern weit verbreitet und überall eine der häufigsten, wenn nicht die häufigste Art, sowohl im Flachland als auch in den höheren Lagen bis etwa 1.100 m ü. NN. Nachweise erfolgen an den Fundorten meist mit individuenstarken, i. d. R. bodenständigen Populationen.
Schleswig-Holstein:
Bei uns im Land die häufigste Libelle. Im Bereich der Geest und des Hügellandes dürfte die Art flächendeckend verbreitet sein, in der Marsch und in Angeln ist eine etwas geringere Fundpunktdichte festzustellen, die aber wahrscheinlich auf Erfassungsdefizite zurückzuführen ist.
Eine in Schleswig-Holstein häufige Art, die wahrscheinlich überall im Land verbreitet ist und bei der sich ein Großteil der Meldungen auf bodenständige oder wahrscheinlich bodenständige Populationen beziehen dürfte. Sie wird auch in allen historischen Quellen als häufig und weit verbreitet beschrieben, insgesamt ist der Bestand als unverändert stabil zu bewerten.
Überwinterung: als Larve
Dauer Larvalentwicklung: ein Jahr
Schlupfzeit in SH: Ende April bis Anfang August
Flugzeit in SH: Ende April bis Ende September (einzelne Tiere gelegentlich auch noch im Oktober), Hauptflugzeit Mitte Mai bis Mitte August
Verhalten:
Die Tiere entfernen sich auch während der Reifeperiode in der Regel nicht weit vom Gewässer, sie nutzen dabei wärmebegünstigten Stellen auf extensiv genutzten Grünland oder Hochstaudenfluren.
Die paarungsbereiten Männchen erwarten die Weibchen in der Ufer- und Flachwasservegetation. Sie bilden keine Reviere, drohen aber anderen Männchen. Auf dr Suche nach Weibchen fliegen sie kurze Strecken und versuchen sowohl Artgenossen als auch andere Kleinlibellen zu ergreifen.
Die Große Pechlibelle fliegt auch noch bei relativ kühlen (trüb-regnerischen) Wetter und im Tagesverlauf früher bzw. später als andere Kleinlibellen.
Paarung und Eiablage:
Das Paarungsrad wird sehr schnell nach Ergreifen des Weibchens gebildet, die Paarungsdauer ist mit drei bis vier Stunden relativ lang.
Die Eiablage erfolgt in der Regel am späten Nachmittag und ohne die Begleitung des Männchens in der Röhrichtzone oder unmittelbar davor in auf dem Wasser treibende, abgestorbene Halme oder Blätter, seltener in Teile von lebenden Pflanzen.
Imagines:
An stehenden Gewässern aller Art, auch an Fließgewässern mit geringer Strömungsgeschwindig- keit oder mit strömungsberuhigten Buchten, Mooren und Brackwasser. Meidet lediglich schnell fließende Bachabschnitte, sehr stark beschattete Gewässer oder extrem saure Moore. Erreicht teilweise hohe Individuendichten an intensiv genutzten, nährstoffreichen und strukturarmen Gewässern wie Angelteichen oder Entwässerungsgräben und ist dort dann oft fast die einzige häufige Art, auch wenn bei hohem Fischbesatz möglicherweise keine Larvalentwicklung möglich ist.
Larven:
Aufenthaltsort innerhalb untergetauchten Wasserpflanzen und zwischen Röhrichtpflanzen, nicht selten auch auf dem Gewässergrund.
Rote Liste Schleswig-Holstein 2011: ungefährdet
Rote Liste Deutschland 2014: ungefährdet
Gefährdungsursachen: keine erkennbar
Europäische Union (FFH-Richtlinie): -
Deutschland (BNatSchG): besonders geschützt
Schutzmaßnahmen: nicht erforderlich. Abschnittsweise Unterhaltung von Gewässer unter Schonung der Wasserpflanzenbestände und Erhalt teilweise gehölzfreier, besonnter
Uferabschnitte kommt auch dieser Art zugute
Text und Foto: A. Bruens